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Ich frage mich, muss ich mich an einem Wettkampf um 4000 Türklinken beteiligen? Wahlkampf ist sicherlich Klinkenputzen, Briefkästen füllen, mit einem Stand auf dem Marktplatz präsent sein. Manchmal frage ich mich auch, ob ich noch mehr Aktionen im Wahlkampf durchführen muss? Aber wieviel Wahlkampf braucht der Mensch? Dabei folge ich dann gerne meiner Intuition, auf die kann ich mich ziemlich gut verlassen. Um die Menschen ernst zu nehmen, muss ich mir Zeit nehmen für ein ausführliches Gespräch. Dabei erfahre ich die wirklichen Sorgen, Nöte aber auch die Ideen und Wünsche der Bürgerinnen und Bürger.

So auch gestern am Stand des „EINE-WELT-LADEN“ in Nümbrecht. Ich bekam eine Einladung und habe diese gerne angenommen. Vormittags backten mehrere Frauen vor der Apotheke Waffeln, allesamt immer ehrenamtlich für „terre des homme“ tätig, präsentierten eine kleine Auswahl an fair gehandelten Produkten und sammelten Spenden für Erdbebenopfer. Es herrschte ein reges Treiben, die Frauen sind gut vernetzt im Ort, wie das bei uns so ist. Menschen begrüßen sich, kleines Schwätzchen, einige Waffeln gekauft, eine Spende und gut. Einige Geschäftsleute sind großzügig und kaufen einen großen Teller voll, für die eigenen Mitarbeiter. Es ist schön zu beobachten wie das Treiben so vor sich geht.

Ein weiter Kandidat taucht auf, man kennt sich gut ein etwas längeres Schwätzchen, einige Fotos gemacht und er geht wieder. Dann wie ein Donnerschlag, noch ein Kandidat und auch noch ein Landratskandidat stürmen herbei, schnell ein paar Fotos, jeder mit jedem, und schon sind sie wieder verschwunden. Sicherlich müssen die Homepages und die Pressemitteilungen gefüllt werden. Fotos vor Ort kommen immer gut. Dann ist der Spuk vorbei und ich widme mich wieder einem intensiven Gespräch über die oft mühsame Arbeit der Ehrenamtlichen. Ich erfahre dabei, wie schwierig es ist, Geld für diese gute Sache einzunehmen, alles über „Fair“Kaffee und den Kaffee im Gemeinderat. Das verblüfft mich  dann allerdings. Um ein Zeichen in Nümbrecht zu setzen, wollte der Gemeinderat bei seinen Sitzungen den „Fair“Kaffee aus dem Laden im Untergeschoss des Rathauses verwenden. Der sei aber wesentlich teurer als der vom gewöhnlichen Röster, 3 Cent pro Tasse lerne ich. Dann stellen wir eben eine Kaffeekasse auf, und auch der Bürgermeister will das private Portemonnaie dafür öffnen. Bis heute warten die Damen noch immer auf dieses Zeichen.

…ohne Worte…Die Idee, Nümbrecht zum fairen Ort zu machen, die nehme ich noch mit und nach drei gemütlichen Tassen Kaffee fahre ich zum nächsten Termin.